Hast Du schon einmal bewusst auf Deinen Atem geachtet? Nicht nur, um kurz durchzuschnaufen, sondern wirklich, um die tiefe Verbindung zwischen Deinem Körper und Deinem Geist zu spüren? Es mag einfach klingen, doch diese bewusste Atempraxis ist der Schlüssel zu mehr Achtsamkeit und innerer Balance – gerade dann, wenn das Leben herausfordernd ist.
Der Atem als Brücke zwischen Körper und Geist
Dein Atem ist immer bei Dir. Mit jedem Ein- und Ausatmen hast Du die Möglichkeit, Dich mit Dir selbst zu verbinden. In diesem Moment entsteht ein Raum – ein Raum, in dem Du beobachten kannst, was gerade in Deinem Körper und Geist passiert. Dieser Raum ist enorm wichtig, vor allem, wenn Du mit Stress, Schmerzen oder schwierigen Gefühlen kämpfst.
Eine regelmäßige Atempraxis hilft Dir, diesen Raum bewusst wahrzunehmen und zu nutzen. Du lernst, Empfindungen und Emotionen zu beobachten, ohne sie sofort zu bewerten. Das ist besonders wertvoll, wenn Du mit chronischen Beschwerden oder Ängsten lebst, wie sie etwa bei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), anderen chronischen Erkrankungen oder auch Panikattacken auftreten können.
Warum die Bewertung Deiner Symptome so entscheidend ist
Vielleicht kennst Du das: Ein Symptom tritt auf, und fast automatisch kommt die Angst oder Panik. Dein Körper erinnert sich an vergangene Erfahrungen – vielleicht an schmerzvolle Untersuchungen, den Aufenthalt in der Notaufnahme oder die schiere Erschöpfung, die Dich tagelang ans Bett fesselt. Diese Erinnerungen und Bewertungen verschmelzen mit Deinen aktuellen Empfindungen, und plötzlich fühlt sich alles überwältigend und ausweglos an.
Doch hier liegt der Schlüssel: Es ist nicht nur das Symptom selbst, das das Leiden verstärkt, sondern auch, wie Du es bewertest. Wenn Du lernst, diese Bewertungen loszulassen, kannst Du den Kreislauf durchbrechen. Dein Atem hilft Dir dabei, wieder eine beobachtende Haltung einzunehmen und eine gewisse Distanz zu schaffen – zu Deinen Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen.
Neuroplastizität: Wie Deine Gedanken Dein Gehirn formen
Dein Gehirn ist erstaunlich anpassungsfähig. Es formt sich ständig neu – ein Prozess, den man Neuroplastizität nennt. Doch das bedeutet auch: Je häufiger Du eine bestimmte Erfahrung oder Bewertung wiederholst, desto stärker werden die neuronalen Verbindungen, die diese Erfahrung speichern. Das kann dazu führen, dass negative Muster sich verfestigen.
Aber die gute Nachricht ist: Du kannst diesen Prozess auch bewusst in eine positive Richtung lenken. Mit einer achtsamen Atempraxis unterbrichst Du die automatische Verknüpfung von Symptom und Bewertung. Du schaffst Raum für neue, heilsame Erfahrungen und stärkst die Verbindungen, die Dir helfen, mit Deinem Körper im Einklang zu sein.
Vom Kämpfen zum Zulassen
Eines der größten Geschenke, das Du Dir selbst machen kannst, ist, den Kampf gegen Deine Symptome loszulassen. Das bedeutet nicht, sie zu ignorieren, sondern sie anzunehmen, wie sie sind. Durch den Atem und andere körperbasierte Achtsamkeitsmethoden – wie etwa Somatic Experiencing – kannst Du lernen, mit Deinen Empfindungen und Gefühlen zu sein, ohne Dich von ihnen überwältigen zu lassen.
Das Loslassen der Bewertung kann unglaublich befreiend sein. Es reduziert nicht nur das Leid, sondern gibt Dir auch die Chance, Deine Energie für das zu nutzen, was Dir wirklich gut tut.
Deine Einladung: Starte jetzt
Probiere es aus: Setze Dich heute für ein paar Minuten hin, schließe die Augen und atme bewusst ein und aus. Spüre, wie sich Dein Körper anfühlt, ohne zu bewerten. Was nimmst Du wahr? Wo spürst Du vielleicht Unruhe oder Spannung? Und was passiert, wenn Du einfach nur damit bist, ohne etwas verändern zu wollen?
Beginne noch heute, Deine Atempraxis zu einem festen Bestandteil Deines Alltags zu machen. Vielleicht nur fünf Minuten am Morgen oder vor dem Schlafengehen. Mit der Zeit wirst Du merken, wie sich Dein Umgang mit Stress, Symptomen und Deinen Gedanken verändert.
Du hast die Kraft, Deinen Geist und Körper positiv zu beeinflussen. Fang an – mit einem einzigen Atemzug.
